Interview mit Marvin Schlamelcher

Interview mit Marvin Schlamelcher
von Derya Emer


Hallo Herr Schlamelcher, ich freue mich, heute mit Ihnen dieses Interview führen zu können. Vorab würde ich Sie bitten, sich kurz vorzustellen und Ihre Arbeit an der Universität Hildesheim kurz zu beschreiben.

Vielen Dank für die Einladung. Ich bin wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Geographiedidaktik der Universität Hildesheim und arbeite in dem fächerübergreifenden BMBF-Projekt Cu2RVE (Cumulativer und curricular vernetzter Aufbau digitalisierungsbezogener Kompetenzen zukünftiger Lehrkräfte). Das Projekt forscht, wie der Titel schon impliziert, zu digitalisierungsbezogenen Kompetenzen angehender Lehrkräfte. Gleichzeitig forschen wir aber auch zu den digitalisierungsbezogenen Kompetenzen von Schüler*innen und entwickeln eine Unterrichtssequenz zum Thema Klimawandel(-leugnung), die durchgeführt und begleitend beforscht wird mit Pre- und Post-Tests sowie Videographien. Die Ergebnisse der Auswertung dienen der besseren Vorbereitung angehender Geographielehrkräfte für den Einsatz virtueller Exkursionen im Unterricht.

Sehr interessant, vielen Dank! Nun arbeiten Sie auch mit EPINetz – darum führen wir dieses Interview. Wie haben Sie EPINetz verwendet?

Ja richtig, EPINetz haben Herr Prof. Dr. Janis Fögele und ich für unseren Praxis-Geographie-Artikel verwendet. Der Artikel lehnt sich an die anfangs beschriebene Unterrichtssequenz an und beschäftigt sich folglich mit dem Thema Klimawandel und seiner Leugnung. Hier haben wir ebenfalls eine Unterrichtssequenz entwickelt, bei der die Schülerinnen Fachwissen erwerben, um die Aussagen von Klimaleugnerinnen widerlegen zu können. Und da wir Klimawandelleugnerinnen nicht nur in der Zivilgesellschaft, sondern auch in der Politik finden, haben wir EPINetz verwendet. Vor allem, wenn es darum geht, Lösungsstrategien für den Klimawandel zu betrachten, ist diese Politikkomponente unvermeidlich. Wir haben es auch als sehr praktikabel erachtet, den Schülerinnen zu verdeutlichen, dass wir die Leugnung des Klimawandels auch in politischen Debatten auf Twitter sehen können. Dafür war EPINetz natürlich das passende Tool.

Wie hat sich hier Ihre Arbeit mit EPINetz konkret gestaltet?

Hauptsächlich haben wir auf EPINetz zum Schlagwort "Klimawandel" gesucht – sowohl mit Hashtag als auch ohne Hashtag. Dabei haben wir uns auf alle Suchergebnisse im Zeitraum Oktober/November 2022 konzentriert und je nachdem, welche Parteien ein- bzw. ausgeblendet wurden, waren viele relevante Posts dabei. Besonders aufgefallen sind die Posts der AfD, die klimawandelskeptische Aspekte beinhalten. Hier handelt es sich vor allem um sogenannte Ursachenskeptikerinnen, die bezweifeln, dass der Mensch Einfluss auf den Klimawandel hat, und Folgeskeptikerinnen, die die Folgen des Klimawandels positiv bewerten, also sich bspw. über die deutlich wärmeren Sommer freuen. Die Suche nach diesen Posts hat mit EPINetz gut funktioniert. Außerdem haben wir uns die Häufigkeitsverteilung zu dem Schlagwort "Klimawandel" mit EPINetz anzeigen lassen und dadurch ebenfalls spannende Ergebnisse herausbekommen, die jedoch nicht von uns im Artikel verwertet wurden. So haben wir bspw. für den Zeitraum 2015-2022 herausgefunden, dass das Thema Klimawandel hauptsächlich im Sommer diskutiert wurde. Woran dies liegen könnte, wäre interessant weiter zu erforschen.

Das klingt sehr spannend. Vielleicht können Sie unserem Team noch rückmelden, was Ihnen an der Plattform besonders gefiel und wo Sie sich evtl. Besserungen wünschen.

Grundsätzlich würde ich sagen, dass die Suche auf EPINetz schon sehr gut lief. Für mich war die Nutzung relativ einfach, weil ich auch bei Ihrem Workshop in Heidelberg war. Für Außenstehende würde ich vermuten, dass ein Tutorial zur Nutzung von EPINetz sinnvoll sein könnte. Was ich schade fand, war, dass man sich Häufigkeitsverteilungen und Kookkurrenzen nur mit der Hashtagfunktion anzeigen lassen konnte. Ich verstehe jedoch, dass das alles noch in Arbeit ist und freue mich, wenn diese Funktionen nach und nach erweitert werden.

Es freut mich, dass EPINetz für Ihre Arbeit einen Mehrwert hatte. Die Punkte, die Sie ansprechen, sind sehr hilfreich – vielen Dank dafür. Zum Abschluss des Interviews möchte ich eine letzte Frage stellen: Als Fachmann der (Geographie-)Didaktik - würden Sie die Nutzung von EPINetz Lehrkräften empfehlen?

Auf jeden Fall würde ich EPINetz Lehrkräften empfehlen. Gerade auch Geographielehrkräften, also den Schulgeograph*innen, aber auch den Politiklehrkräften. Besonders weil EPINetz großes Potenzial besitzt – sei es jetzt beim Thema Klimaleugnung oder auch in Sachen Nachhaltigkeit. Mit der Plattform kann man vieles erarbeiten, vor allem diskursanalytisch aber bspw. auch als Vorbereitung für Podiumsdiskussionen, die bisweilen im Unterricht durchgeführt werden. Schön finde ich auch, dass EPINetz fächerübergreifend verwendet werden kann. So kann man die Tweets im Geographie- und Politikunterricht inhaltlich analysieren, während man sich z.B. im Deutschunterricht die sprachliche Ebene anschauen kann, also bspw. die Verwendung rhetorischer Mittel.


Vielen Dank für das Interview, Herr Schlamelcher.
Ich danke Ihnen.